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Auf der musikalischen Spur von Manfred Krug

02.22.09 | Kommentar?

Tobias Elsäßer singt mit „Goldstaub“ Lieder des Schauspielers aus DDR-Zeiten

Noch heute kennen ehemalige Bürger der DDR Lieder von Manfred Krug wie „Die Kuh im Propeller“ oder „Der Flaschenzug“ auswändig. Die Songs des Barden waren Kult. Der Bietigheimer Tobias Elsäßer und seine Band „Goldstaub“ machten sich auf Spurensuche.

GABRIELE SZCZEGULSKI

Bietigheim-Bissingen Manfred Krug ist einer der bekanntesten und beliebtesten Schauspieler Deutschlands, seit er 1977 in die BRD ausreiste und mit „Liebling Kreuzberg“ oder „Auf Achse“ zum Serienstar wurde. Aber schon in der ehemaligen DDR war Krug populär, bis er mit dem heute zum Kult erhobenen Film „Spur der Steine“ den Unmut der Zensur zu spüren bekam und von der Stasi bespitzelt wurde.

Schon in einigen Tatort-Folgen bewies Krug als Kommissar Stoever gemeinsam mit Charles Brauer, dass er auch singen kann. Doch schon zu DDR-Zeiten war der Sänger Krug Kult. Er galt als einer der renommiertesten Jazzsänger des kommunistischen Staates.

Ab 1971 veröffentlichte er Schallplatten, auf denen er anspruchsvolle, kunstvoll arrangierte Schlager sang. Die Texte schrieb er unter dem Pseudonym Clemens Kerber selbst. Besonders populär wurde der Titel „Es steht ein Haus in New Orleans“. Die hohe Qualität der Stücke und die Poesie der Texte, die zwar oberflächlich oft schwülstig klingen, aber auf den zweiten Blick in sich stimmig und oft eben versteckt ironisch sind, beeindruckten auch den Stuttgarter Musiker Axel Krause (36). Manfred Krug musste einiges Sprachgefühl aufbringen, um der strengen DDR-Zensur zu entgehen, was nur im entferntesten politisch klang, wurde verboten. Themen wie Liebe, Herzschmerz oder Eifersucht dahingegen waren unverfänglich.

„Die Stücke sind musikalisch sehr anspruchsvoll, sehr soulig und haben einen ganz eigenen Charme“, fand Krause und fragte sich, welche Band diese Stücke wohl spielen könnte. Denn, so Krause, „so was gab es seither noch nie, dass eine Band vor allem Stücke nur eines Sängers covert“. Per Annonce suchte der Schlagzeuger Mitstreiter, die sich für das Projekt begeistern sollten. „Und sie mussten was können, nicht nur ein bisschen Musik für den Hausgebrauch machen können“, erinnert sich Axel Krause. Sänger Tobias Elsäßer aus Bietigheim antwortete auf die Anzeige und war begeistert von den Titeln und der Idee. Die Band „Goldstaub“ wurde gegründet.

Elsäßers musikalische Karriere begann 1996 als Sänger der Boyband „Yell4You“ , diese Zeit verarbeitete er in seinem ersten Buch „Die Boygroup“, in Kürze erscheint sein dritter Roman „Vielleicht Amerika“. Zusammen mit fünf weiteren Musikern (Ralf Schuon, Piano, Sebastian Zimmermann, Bass, Ines Amanovic, Gesang, Christian Hying, Saxophon, und Michael Munz, Gitarre) sowie der Sängerin Irina Rank (31) bilden Elsäßer und Krause die Band, die die Songs von den alten Schallplatten Krugs singt. Mit ihren Konzerten begeisterten sie bereits das Publikum im Stuttgarter „Merlin“ und hoffen, dass es bald auch ein Konzert im Kreis Ludwigsburg geben wird. „Mit großer Besetzung“, so Axel Krause, nehmen sie sich den anspruchsvollen Titeln Krugs an. ]Für die Sänger Tobias Elsäßer und Irina Rank sind die Gesangspassagen „eine Herausforderung“, denn sie sind in fast allen Liedern stark akzentuiert, schließlich war die Musik einmal dafür gedacht, Krugs Stimme in den Mittelpunkt zu stellen. „Natürlich ist meine Stimme ganz anders als die von Manfred Krug, aber man hat bei diesem Original schon den Anspruch, alles aus sich herauszuholen, zwar nicht zu imitieren, aber gut zu sein“, so Elsäßer.

„Goldstaub“ will den Krug-Songs zwar einen persönlichen Stempel aufdrücken, und keine platte Imitation bieten, aber „interpretieren wollen wir die Lieder nicht, wir wollen nicht, dass es aussieht, als ob wir die Lieder verulken“, sagt Axel Krause, schließlich handle es sich „um äußerst hochwertige Kompositionen“, so der Schlagzeuger beeindruckt.

Auf ein reines „Amateurprojekt“, so Tobias Elsäßer, „hatte ich keine Lust, unsere Musik sollte schon professionell und anspruchsvoll sein.“ Mit Krugs Liedern und anderen aus den 70er Jahren der DDR aus Axel Krauses großem Fundus an alten Amiga-Platten haben die Musiker eine nostalgische Lücke entdeckt, die beim Publikum ankommt.

Manfred Krug selbst bedankte sich bei „Goldstaub“ nach Hören ihrer Demo-CD und einem Gespräch im Stuttgarter Theaterhaus anlässlich eines seiner Konzerte für ihr „großes Engagement für meine Lieder“ mit einem handschriftlichen Brief und wünschte der Band viel Erfolg mit seinen Titeln.

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