Stuttgarter Nachrichten vom 07.09.2007
Die Band Goldstaub im Merlin
Die Musiker tragen Krawatte, der Sänger ein grünes Hemd zum schwarzen Jackett, die Sängerinnen Abendkleider - auf dem Programm im Merlin steht die Wiederentdeckung des Chansonniers Manfred Krug durch die Stuttgarter Band Goldstaub.
VON THOMAS MORAWITZKY
Eine Band, die es nicht nötig hat, Ironie aufzutragen, denn die Ironie liegt hier im Material selbst. Das Vorhaben, “musikalische Raritäten aus der DDR” live auf die Bühne zu bringen, kann nur deshalb gelingen, weil die Interpreten ganz darauf verzichten, ihre Songs ins Lächerliche zu ziehen.
Tobias Elsässer füllt die Rolle des damals noch jungen Manfred Krug aus, mit viel Pathos und einer ausdrucksstarken, manchmal rauen Stimme. Ein bemerkenswerter Balanceakt, spazieren in den Texten doch Klischees en masse vorbei: Mit Bedacht hält sich die Band an Stücke, die das ewige Thema Liebe in vielen biederen Facetten aufleuchten lassen, es gibt Lieder an den Frühling, Lieder an die Sonne, und eigentlich fehlen nur die Pril-Blumen.
So unähnlich sind sie Liedern des Westens gar nicht, die populären Songs zwischen Jazz und Chanson, die zu Beginn der 70er in der DDR gesungen wurden - ein wenig exotischer freilich, ein wenig eleganter, um Seriosität bemüht, weit mehr Burt Bacharach als Toni Marshall.
Goldstaub präsentieren diese Stücke mal dezent groovend, mal inbrünstig schmalzend als swingende Lounge-Musik, zu der kurze Soli auf Saxofon und Keyboard Farbe beitragen, bei der immer eine funkige Gitarre im Hintergrund spielt, bei der die Hauptrolle aber der gesanglichen Interpretation zukommt. Die Sängerinnen Irina Rank und Ines Amanovic glänzen neben Elsässer mit kessen Songs über die Enttäuschungen der Liebe, und die Bassgitarre, auf einen Ständer montiert, schwebt frei in der Luft, denn Bassist Sebastian Zimmermann erholt sich noch von seinem Bandscheibenvorfall - der Grund dafür, dass dies erst das dritte Konzert von Goldstaub war.
07.09.2007 - aktualisiert: 07.09.2007, 06:16 Uhr

